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Warum das Pflegegeld so wichtig ist

Pflege braucht Unterstützung – nicht nur im Alltag, sondern auch im Geldbörsel. Dafür gibt es in unserem Sozialsystem das Pflegegeld.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie oder ihre Angehörigen Anspruch auf Pflegegeld hätten. Oder sie schrecken vor dem Antrag zurück, weil sie glauben, das sei kompliziert oder erst bei „ganz schwerer Pflegebedürftigkeit“ möglich.

In meiner Tätigkeit als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson im Bereich Pflegeberatung höre ich oft Sätze wie:

  • „Ich will ja gar nichts vom Staat.“
  • „So schlimm ist es ja noch nicht.“
  • „Ich will mich nicht durch ein Gutachten erniedrigen lassen.“

Meine Antwort: Pflegegeld ist keine Gnade, sondern ein Recht. Und ein Schritt, um Pflege würdevoll und selbstbestimmt zu gestalten.

Fünf Dinge, die Sie über das Pflegegeld wissen sollten

1. Was ist Pflegegeld überhaupt?

Das Pflegegeld ist eine monatliche finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln, gedacht zur Abgeltung von pflegebedingtem Mehraufwand – egal ob durch Angehörige, mobile Dienste oder private Betreuung. Es ist zweckgebunden, aber nicht kontrollgebunden:

Sie entscheiden selbst, wie Sie es verwenden – ganz nach Ihrer Situation.

2. Wer hat Anspruch?

Jede Person mit längerfristigem Pflege- und Betreuungsbedarf – also wenn regelmäßig Hilfe bei alltäglichen Dingen nötig ist:

  • Körperpflege
  • Ankleiden
  • Ernährung
  • Mobilität
  • Orientierung und Kommunikation
  • Unterstützung bei Medikamenten oder ärztlichen Wegen

Die Höhe richtet sich nach dem tatsächlichen Zeitaufwand und wird in 7 Pflegestufen eingeteilt. Schon bei einem Aufwand von rund zwei Stunden täglich kann Anspruch auf Stufe 1 bestehen.

3. Wie wird Pflegegeld beantragt?

Die Zuständigkeit richtet sich nach dem Versicherungsträger:

  • Bei Pensionist:innen meist die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) oder die BVAEB, SVS – je nach Fall

Der Antrag kann formlos gestellt werden (z. B. per Brief oder E-Mail) – damit gilt das Datum als Stichtag. Schneller geht es, wenn man gleich den offiziellen Antrag verwendet. Diesen kann man online ausfüllen, herunterladen oder telefonisch anfordern.

Ich unterstütze als diplomierte Pflegefachkraft gerne dabei:

Beim Ausfüllen, beim Einordnen des Pflegebedarfs – und bei der Vorbereitung auf die Begutachtung, die danach durch eine Fachperson erfolgt.

4. Wie läuft die Begutachtung ab?

Nach Einlangen des Antrags kommt eine Gutachterin oder ein Gutachter – meist aus der Pflege oder Medizin – zu Ihnen nach Hause. Dabei wird der Pflegeaufwand im Alltag eingeschätzt:

  • Was kann die Person noch selbstständig?
  • Wobei wird regelmäßig Hilfe benötigt?

Mein Praxistipp: Führen Sie ein Pflegetagebuch über 1–2 Wochen. Notieren Sie kurz, wann Hilfe nötig war und wobei. Diese Alltagsperspektive macht vieles verständlicher.

Gern bereite ich Betroffene und Angehörige auf den Besuch vor – manche wünschen auch eine Begleitung. Das ist möglich.

5. Was passiert danach?

  • Sie erhalten einen Bescheid mit der zuerkannten Pflegestufe
  • Das Pflegegeld wird monatlich ausbezahlt – von ca. 177 Euro (Stufe 1) bis über 2.000 Euro (Stufe 7)
  • Bei zunehmendem Pflegebedarf kann eine Höherstufung beantragt werden.
  • Wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, können Sie Klage beim Arbeits- und Sozialgericht einreichen

Fazit

Gut informiert ist besser gepflegt

Das Pflegegeld ist ein zentrales Instrument, um Pflege zu Hause oder in vertrauter Umgebung zu ermöglichen – oft ist es der erste Baustein für mehr Entlastung.

In meiner Arbeit erlebe ich, wie groß die Erleichterung sein kann, wenn dieser Schritt geschafft ist. Und wie viel leichter der Alltag wird, wenn man nicht alles selbst finanzieren oder organisieren muss.

Hinweis: Pflegegeld ist nicht nur eine Unterstützung – es gilt auch als Zugangskriterium für viele weitere Angebote: von Hilfsmittel-Förderungen über mobile Dienste bis zur Aufnahme in Pflegeeinrichtungen.

Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob ein Anspruch besteht – fragen Sie nach. Pflegeberatung kann Ihnen helfen, Klarheit zu bekommen und den Antrag gut vorbereitet zu stellen.

Pflege ist fordernd genug – nehmen Sie die Unterstützung in Anspruch, die Ihnen zusteht.