Entlastung für pflegende Angehörige
Was mit Fürsorge beginnt, wird mit der Zeit oft zu einer großen Aufgabe. Doch wer kümmert sich um die Kümmernden?
Pflegende Angehörige sind Österreichs größter Pflegedienst – unbezahlbar, oft übersehen, und unverzichtbar. Angehörige sind das Rückgrat der Pflege. Sie kaufen ein, begleiten zum Arzt, wechseln Verbände, kochen, beruhigen, hören zu – Tag für Tag. Und oft neben Beruf, Familie und eigener Gesundheit.
Viele Menschen, die zu mir in die Pflegeberatung kommen, stellen irgendwann die gleiche Frage:
„Wie lange schaffe ich das noch?“
Und dann – fast entschuldigend – die nächste:
„Darf ich überhaupt um Hilfe bitten?“
Meine Antwort ist immer: Ja. Unbedingt.
Diese Unterstützungsangebote können helfen
Pflege entsteht oft aus Verantwortung – und wird mit der Zeit zur Herausforderung. Gut, dass es zahlreiche Möglichkeiten zur Entlastung gibt.
1. Mobile Dienste- und Betreuungsdienste
Ob beim Duschen, Anziehen, Kochen oder Spazierengehen – soziale Dienste bieten vielfältige Unterstützung für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen.
Auch Soziale Alltagsbegleitung – z. B. für gemeinsame Aktivitäten, Gespräche oder Arztbesuche – kann entlastend wirken. Diese Leistungen sind je nach Region unterschiedlich organisiert und lassen sich oft mit Pflegegeld oder Landesförderungen mitfinanzieren.
2. Stundenweise Betreuung & 24-Stunden-Betreuung
Für Menschen, die nicht allein bleiben können oder mehr Nähe brauchen, kann stundenweise Betreuung durch qualifizierte Personen sinnvoll sein – z. B. zur Entlastung für Menschen mit Demenz.
Wenn rund um die Uhr jemand gebraucht wird, kommt eine 24-Stunden-Betreuung infrage. Die Betreuungsperson wohnt dabei im selben Haushalt und unterstützt im Alltag.
Achten Sie dabei auf Agenturen mit ÖQZ-Zertifizierung (Qualitätszeichen für 24h-Betreuung): Eine Liste finden Sie auf www.oeqz.at
3. Tageszentren
Tageszentren bieten Betreuung, Aktivierung und soziale Kontakte – Angehörige haben in dieser Zeit frei. Viele empfinden es als große Erleichterung, wenn sie ein paar Stunden pro Woche durchatmen können.
4. Ersatzpflege & Kurzzeitpflege
Wenn Angehörige krank werden, eine Pause brauchen oder verreisen wollen, kann Ersatzpflege organisiert werden – zu Hause oder stationär.
5. Pflegekarenzgeld & Pflegefreistellung
Wer berufstätig ist, hat Anspruch auf bestimmte Auszeiten:
- Pflegekarenz
- Pflegefreistellung im Akutfall
- Pflegekarenzgeld: Unterstützung ähnlich dem Arbeitslosengeld
6. Versicherung & Absicherung
Viele pflegende Angehörige wissen nicht, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen:
- pensionsversichert und/oder
- krankenversichert sein können – beitragsfrei!
Voraussetzung ist meist Pflegegeldstufe 3 bei der gepflegten Person.
➡ Antrag: zuständiger Pensions- oder Krankenversicherungsträger
- Hausbesuche durch Pflegefachpersonen: kostenlos, vertraulich, informativ
- Angehörigengespräch mit Psycholog:innen: bis zu 10 Termine möglich ➡ Organisation: Kompetenzzentrum Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege
8. Pflegekurse für Angehörige
Das Sozialministerium unterstützt Angehörige mit bis zu 200 € jährlich für Pflegekurse – Wissen kann entlasten und Unsicherheit nehmen.
9. Selbsthilfe & Interessensvertretung
Viele Angehörige finden Halt und Austausch in Selbsthilfegruppen oder überregionalen Netzwerken.
Eine wichtige Anlaufstelle ist die:
👉 Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger – www.ig-pflege.at
Hier geht es nicht nur um Informationen – sondern auch darum, dass pflegende Angehörige gehört werden.
Fazit
Hilfe holen ist kein Versagen – sondern Verantwortung
Pflegende Angehörige dürfen erschöpft sein. Sie dürfen loslassen, um sich zu erholen. Sie dürfen auch einmal sagen: „Ich kann nicht mehr.“
Es gibt viele Angebote, die entlasten – und sie sind nicht für andere gedacht, sondern genau für Sie.
Als Pflegefachperson sehe ich täglich, wie viel leichter es wird, wenn der erste Schritt getan ist.
Denn wer hilft, braucht selbst Hilfe. Und das ist völlig in Ordnung.
Mehr Informationen & Links:
- www.pflege.gv.at – Infoplattform für Pflege & Betreuung
- www.ig-pflege.at – Interessensvertretung pflegender Angehöriger
- www.sozialministeriumservice.gv.at – Unterstützung Angehörige
Es gibt noch viele weitere Angebote – vom Angehörigenbonus über den NÖ Pflege- und Betreuungsscheck bis hin zu regionalen Förderungen. Doch nicht alles passt für jede Situation. Oft hilft ein persönliches Gespräch, um herauszufinden, was wirklich entlastet – und wo die eigenen Grenzen liegen.
Es lohnt sich, Hilfe anzunehmen – nicht nur für die, die gepflegt werden, sondern auch für jene, die tagtäglich für andere da sind.
Nicht alles lässt sich abgeben – und manches bleibt bei einem selbst. Aber zu wissen, wo Hilfe möglich ist, kann schon vieles leichter machen.